RÜCKBLICK | 'The Tiniest Place' transportiert auf brillante Weise vergangene salvadorianische Tragödien in die Gegenwart

'Jemand wollte, dass wir verschwinden', sagt einer der mehreren Überlebenden in 'The Tiniest Place', ein erschreckender Blick auf das Trauma der vergangenen Unterdrückung, die ihre Opfer in der Gegenwart verfolgt. Die Regisseurin Tatiana Huezo interviewt bei ihrem Debüt in Spielfilmen die Bewohner eines kleinen Dorfes namens Cinquera, das im salvadorianischen Dschungel begraben liegt und sich noch mit den Erinnerungen an den Bürgerkrieg befasst, der El Savador zwischen 1980 und 1992 heimgesucht hat. Sie hat Mitglieder ihrer Familie verloren Zu einer Regierung, die darauf abzielte, zivile Meinungsverschiedenheiten zum Schweigen zu bringen, nahmen sie den Wunsch ihres Gegners wörtlich und verschwanden von selbst - indem sie zu den Hügeln gingen, in denen Huezo sie findet.



Die Filmemacherin verzichtet auf Archivmaterial, um einen nachdenklicheren Ansatz zu finden, und beobachtet, wie ihre Motive in der Wildnis umherziehen, wobei eine jenseitige Schönheit im Widerspruch zu dem von ihnen erzählten Kummer steht. Die Bewohner von Cinquera sprechen selten vor der Kamera. Stattdessen konzentriert sich Huezo auf ihre Gesichter und die Details ihres Provinzlebens, um einen scharfen Kontrast zu der eindringlichen Furcht zu bilden, die durch ihre Aussagen in ständigen Gesprächen erzeugt wird. Mit keinen ausgefallenen Tricks und nur gelegentlichem musikalischen Einschlag gerät Huezo effektiv in ihren Kopf.

Die Anekdoten werden langsam dunkler und zunehmend bedrohlicher und werden schließlich von den grimmigen Erinnerungen der Dorfbewohner an den Tod dominiert. Huerzo handhabt gekonnt zwei Ebenen der Erzählung: das zeitgenössische Filmmaterial und die Voiceovers, die die Implikationen vertiefen. Ein Mann erinnert sich an den Mord an seinem Vater, der seinen Kampf ums Überleben führt, und eine ältere Bewohnerin konstruiert anschaulich das grausige Bild der verstümmelten Leiche ihrer Tochter. In jedem Fall erweitern ihre Gesichter die emotionalen Implikationen ihrer Geschichten. Mit ähnlicher Finesse kombiniert Huerzo die Geschichte von Bomben, die die Stadt wegwischen, mit dem Bild einer Wolke, die durch die Waldlandschaft weht, zunächst ein harmloses Bild, das allmählich eine beängstigende illustrative Dimension annimmt.

Wie die Konstruktion des Films wirkt der Wald relativ einfach, birgt aber tatsächlich ein dunkles Geheimnis, übersät mit unentdeckten Leichen und anderem Kriegsschutt. In diesem Zusammenhang erinnert 'The Tiniest Place' an Patricio Guzmáns brillante 'Nostalgie für das Licht', die sich auf die Überreste chilenischer Gräueltaten konzentriert, die in der Atacama-Wüste verstreut sind. Huezo verlässt sich jedoch mehr auf Ironie, indem sie die Kriegsumgebung mit Bildern aus dem Bilderbuch in Einklang bringt und ihre Distanz zu den fraglichen Ereignissen anerkennt.

Die Filmemacherin ist zu jung, um sich an den Krieg selbst zu erinnern, hat aber einen Film geschaffen, der sich durch den Nachhall in der Gegenwart geschickt mit der Vergangenheit auseinandersetzt. Wenn sich ein Überlebender an die Jahre erinnert, die er in einem dunklen, klaustrophobischen Film vor der Nationalgarde verbracht hat, folgt ihm Huesos Kamera in den geschlossenen Raum und verbindet die abstrakte Natur seines Kontos mit einer beunruhigenden physischen Realität.

'The Tiniest Place' untersucht historische Unterdrückung eher durch Zeugnisse als durch Rekonstruktion und erinnert so an Claude Lanzmanns Ansatz in 'Shoah' und 'Sobibor'. Im Gegensatz zu Lanzmanns weitläufigem Opus der Verzweiflung ist „The Tiniest Place“ jedoch mit der geringsten Menge an Hoffnung ausgestattet. Die Flucht der Cinquera-Bewohner ist kein Einzelfall, sondern eine symbolische Arbeit auf der Suche nach Katharsis. 'Der Wald war ein Verbündeter für uns', sagt einer. Durch die Erkundung der fortwährenden natürlichen Pracht, die sie umgibt, macht Huezo deutlich, dass die Allianz weiter besteht.

criticWIRE-Note: A

WIE WIRD ES SPIELEN? „The Tiniest Place“, das am 19. August im New Yorker IFC-Center eröffnet wird, dürfte ein starkes Interesse der lateinamerikanischen Filmbesucher wecken und von einer Kombination aus positiven Kritiken und Mundpropaganda profitieren, um trotz seiner sehr geringen Veröffentlichung eine respektable Beteiligung zu erzielen.



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